Konzepte

2. Schritt

Die Ausgangslage bestimmen

Um die Ausgangslage für die eigene Kommune zu beschreiben, ist es notwendig, sich einen Überblick über die bereits vorhandenen Aktivitäten zu verschaffen. Zu diesem Zweck kann man vorhandene Konzepte und Dokumente analysieren und/oder in Arbeitstreffen einen Erfahrungsaustausch initiieren.

Zusätzliche Informationen, zum Beispiel zu den jeweiligen Sozialräumen, liefern die regionalen Bildungs-, Gesundheits- und Jugendhilfedaten.

Die Beschreibung der Ausgangslage ermöglicht es, vorhandene Projekte bekanntzumachen (Transparenz schaffen), auf Erfahrungen aufzubauen, gute Praxisprojekte weiterzuentwickeln (das Rad nicht neu erfinden) und Schnittstellen zu ähnlichen Projekten zu identifizieren (Doppelstrukturen vermeiden). Zu diesem Zeitpunkt müssen noch keine konkreten Ziele formuliert worden sein, es muss aber für alle Beteiligten die ungefähre Richtung deutlich werden.

Zentrale Fragestellungen für diesen Prozessschritt:

  • Wo stehen wir in unseren Integrationsbemühungen?
  • Welche Integrationskonzepte sind in der Kommune bereits vorhanden?
  • Was wissen wir über die Zielgruppe der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen?
  • Welche Netzwerke sind aufgebaut worden?
  • Welche Strukturen und Prozesse sind vorhanden und welche Maßnahmen laufen bereits?
  • Auf welches Erfahrungswissen können wir zurückgreifen? Welche Angebotslücken sehen wir? Worin bestehen unsere Einflussfaktoren?
Links Kommunale Konzepte:

Links Kommunale Konzepte:

  • Bochum: Kapitel 3.2 Zahlen/Daten/Fakten und Kapitel 5.1 Bewährtes weiterführen und Kapitel 5.1. Bewährtes Fortführen
  • Mülheim an der Ruhr: Kapitel 2.Daten und Fakten
  • Castrop-Rauxel: Kapitel 3. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft - eine Übersicht über die Bildungslandschaft in Castrop-Rauxel

2.1 Ein gemeinsames Verständnis erlangen

Im Mittelpunkt kommunaler Bildungs- und Integrationskonzepte steht das Bestreben nach mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Um Wirkung zu erzielen, benötigt es erfahrungsgemäß die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte und unterschiedlicher Träger. Dabei steht die zunehmende Netzwerkarbeit nicht immer im Einklang mit den eher versäulten Verwaltungsstrukturen. Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren bringt es mit sich, dass divergierende Vorstellungen, Erfahrungen und Ideen vorhanden sind, wie das Ziel zu erreichen sei. Damit diese Vielfalt als Ressource genutzt werden kann, ist es sinnvoll, zu Beginn zu klären, in welchen Bereichen man ein gemeinsames Verständnis voraussetzen kann, wo Widersprüche sichtbar werden und an welchen Stellen neue Einsichten für gemeinsame Veränderungen entstehen.

Im Rahmen des Projektes haben sich die Fachkräfte der beteiligten Kommunen in vielen lebendigen Diskussionen damit auseinandergesetzt, was für sie Bildungs- und Erziehungspartnerschaften zwischen Eltern und Schulen, aber auch Kooperation, Integration von Neuzugewanderten und Diversität bedeuten.

Definition „Bildungs- und Erziehungspartnerschaften“:

Definition „Bildungs- und Erziehungspartnerschaften“:

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Diversität und zunehmender gesellschaftlicher Heterogenität ist für die Bildungsarbeit sowie die Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in einer Migrationsgesellschaft wie NRW von zentraler Bedeutung.

Migration und migrationsbedingte Lebenslagen, soziale Ungleichheiten, Selbst- und Fremdpositionierungen, (Nicht-) und Mehrfachzugehörigkeiten, sowie auch Diskriminierung spielen in der Zusammenarbeit mit zugewanderten Menschen/Familien eine wichtige Rolle.

In der Praxis werden häufig die Begriffe Elternarbeit, Zusammenarbeit mit Eltern/Familien, Elternkooperation, Elternmitwirkung, Elternpartizipation und einige weitere Begriffe synonym verwendet. Meistens wird damit die Zusammenarbeit von der (Bildungs-)Institution mit den Müttern* und Vätern* verstanden, wobei es im Kern um die Kommunikation und Kooperation der Einrichtung und den Eltern/Familien geht (Stange, 2012).

Eine erweiterte konzeptionelle Bezeichnung, die die meisten Intentionen, die hinter den Begriffen stecken, aufgreift und die viele Fachkräfte bevorzugen, ist derzeit der Begriff der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Ziel ist hier eine Partnerschaft, die nicht nur zwischen Kindertageseinrichtung und Müttern* und/oder Vätern*, sondern auch in Schule, OGS sowie Jugendhilfe gestaltet ist und die ganze Familie mit einbezieht. Im Fokus stehen dabei die Mädchen* und Jungen* und deren ressourcenorientierte, positive Entwicklung. Dieser Begriff impliziert zudem die Entwicklung kommunaler Präventions- und Bildungsketten vor dem Hintergrund von Gesamtkonzepten, wie zum Beispiel lokalen Bildungslandschaften (Stange et al., 2012).

Die Erweiterung der Definition auf Erziehungs- und Bildungspartnerschaft im Sinne von Kompetenzpartnerschaft meint, dass beide Partner, Familien und Bildungseinrichtungen ihre auch unterschiedlichen Kompetenzen und Ressourcen in den Erziehungs- und Bildungsprozess von Kindern einbringen können. In der Zusammenarbeit mit Familien mit Einwanderungsgeschichte/internationaler Familiengeschichte ist hier beispielsweise die Kompetenz Mehrsprachigkeit gemeint. Familiensprache(n) werden als wichtige Ressource angesehen, welche es gilt aktiv mit in die Bildungsarbeit der Einrichtungen einzubeziehen.

 

Indikatoren von Diversitätsorientierung aus Sicht der Projektkommunen sind: [Diversitätsorientierung- RAA Berlin 2018]

  • Umgang mit Unterschieden (Biografien, Sprachen, Aussehen, Perspektiven, Einstellungen, Arbeitsweisen etc.) ist ressourcenorientiert und wertschätzend
  • Wahrnehmung und Anerkennung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten
  • Wertung und Förderung von Individualität wird als Ressource
  • Raum für individuelle Positionierungen/Einstellungen
  • keine (bewertende) Unterscheidung in „wir“ und „sie“ bzw. „die“
  • Dominanz/Einseitigkeit wird bewusst angesprochen und entgegengetreten
  • Grundlage von Lösungsfindungen sind Gespräche und Diskussionen
  • Widersprüche und unterschiedliche Positionierungen werden ausgehalten
  • ressourcenorientiertes Denken und Handeln (im Gegensatz zu einer defizitorientierten Herangehensweise)
  • Berücksichtigung von leichter Sprache, Audioformaten, Visualisierung und Mehrsprachigkeit.
Definition eines erweiterten Bildungsverständnisses

Definition eines erweiterten Bildungsverständnisses

Bei der Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften, die immer stärker als Aufgabe für Kommunen formuliert wird [Vgl. Deutscher Verein e.V. für öffentliche und private Fürsorge], wird vor allem die sozialräumliche Perspektive betont. [Vgl. Mack, Wolfgang (2009), Bildung in sozialräumlicher Perspektive. Das Konzept Bildungslandschaften. In: Bleckmann, Peter/ Durdel, Anja: Lokale Bildungslandschaften. Perspektiven für Ganztagsschulen und Kommunen, S. 62.] Dies geschieht vor dem Hintergrund eines erweiterten/veränderten Bildungsverständnisses. Bildung zielt in diesem Verständnis auf die Entwicklung einer selbstbestimmten Persönlichkeit und umfasst neben dem formalen Lernen in Bildungseinrichtungen wie Schule auch das informelle und non-formale Lernen, das an Bildungsorten wie Familie, Vereinen, Initiativen, etc. stattfindet. Diese Lernarten sind als gleichrangig zu betrachten.

Definition „Kooperation“

Definition „Kooperation“

“Kooperation bedeutet für uns... 

die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen unter klarer Zielabsprache und Aufgabenverteilung. Sie dient dem zielgerichteten Austausch und der gegenseitigen Unterstützung und trägt zu einer besseren und intensiveren Zielerreichung und der Möglichkeit zur Ansprache einer breiteren Zielgruppe bei.

Zur Kooperation gehören immer die Definition und die Verständigung über gemeinsam genutzte Begrifflichkeiten und die transparente Darlegung von Strukturen und Handlungsschritten zur Vermeidung von Doppelaktivitäten.“

RuhrFutur-Ansatz „Gemeinsam Wirken“                        

RuhrFutur arbeitet nach dem Ansatz “Gemeinsam Wirken”, dessen Ziel es ist, Herausforderungen durch die Vernetzung und Kooperation aller systemrelevanten Akteure zu begegnen. Komplexe gesellschaftliche Aufgaben wie die nachhaltige Veränderung des Bildungssystems in der Metropole Ruhr lassen sich demnach nur bewältigen, wenn alle systemrelevanten Akteure daran mitwirken.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter: https://www.ruhrfutur.de/gemeinsam-wirken

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