Mikroprojekte - Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen konkret

Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen so gestalten, dass eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelingt? Das ist auch eine ganz praktische Frage, die sich nur durch Erproben beantworten lässt. RuhrFutur fördert daher im Rahmen des Projekts „Eltern und Schulen – Gemeinsam stark“ Mikroprojekte, bei denen Schulen, Vereine, Initiativen und andere Bildungsakteure vor Ort  die Möglichkeit haben, verschiedene Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren.

Mit den Mikroprojekten werden nicht nur Veränderungen vor Ort angestoßen, die die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen unmittelbar verbessern und andere zur Nachahmung anregen können. Sie dienen auch der Entwicklung kommunaler Konzepte. In deren Rahmen systematisieren und bündeln die beteiligten Kommunen Bochum, Castrop-Rauxel und Mülheim an der Ruhr ausgehend von ihren jeweils gelegten Schwerpunkten vor Ort ihre Aktivitäten bei der Zusammenarbeit von Eltern und Schulen.

 

Einheit in Vielfalt - Fröhlich, fair und fit: Macht alle mit

Gertrudisschule Bochum und Studierende der Ruhr-Universität Bochum

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Das Mikroprojekt widmet sich zwei Herausforderungen. Zum einen beteiligen sich Eltern nicht in dem Maße an Klassenpflegschaftssitzungen, Schulfesten, Sprechtagen und ähnlichen Veranstaltungen, wie Schulen sich es wünschen. Im Projekt soll herausgefunden werden, welche Erwartungen und Wünsche Eltern in Bezug auf den Kontakt mit der Schule haben. Aufbauend auf den Ergebnissen will die Schule den Kontakt stärker als bisher bedarfsorientiert gestalten.

Zum anderen hat sich das für die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen konzipierte Programm „Rucksack Schule“ zwar etabliert, kann aber nur für die ersten Klassen angeboten werden. Damit der Kontakt zwischen Eltern und Schulen nicht mehr so schnell abbricht, soll das Angebot bis zur Klasse vier - und damit bis zum Übergang in die weiterführende Schule - ausgeweitet werden.

 

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Zum einen führen im Rahmen eines Forschungsprojekts Studierende eine Befragung bei Eltern im Stadtteil durch. Die Ergebnisse werden mit Lehrkräften reflektiert. Zum anderen bietet eine pädagogische Fachkraft einmal im Monat auch Angebote im Rahmen von „Rucksack Schule“ für Eltern der Kinder in den Klassen zwei bis vier an.

Eltern machen Schule - erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern durch aktive Elternbegleitung

Hufelandschule Bochum

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Trotz Bemühungen der Schulen gelingt es häufig nicht, Eltern über das Bildungssystem sowie die Aufgaben und Rollen von Eltern und Lehrkräften im Schulalltag zu informieren. Eine aktive Begleitung ermöglicht Eltern, bestehende sprachliche und interkulturelle Barrieren im Schulalltag zu überwinden und soll die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus verbessern.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Unter anderem begleitet eine sogenannte „Stadtteilmutter“ – eine Person, die mit den kulturellen Hintergründen der Familien vertraut ist -  Eltern im Schulalltag, z.B. bei Gesprächen zur Übergangsempfehlung oder dem Tag der offenen Tür der weiterführenden Schule. Außerdem sollen im Rahmen von Workshops Tipps für Eltern erarbeitet werden, wie sie ihre Kinder zuhause unterstützen können. Die Erfahrungen sollen in einem Leitfaden zusammengestellt werden, der weiteren Eltern als Orientierungshilfe dienen kann.

 

Elternreihe - Stärkung der Elternkompetenz und Partizipation

Grundschule am Dichterviertel Mülheim an der Ruhr

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Mit der Elternreihe soll den Eltern ermöglicht werden, ihre Kompetenzen zu stärken und sich zu beteiligen. Die Schule reagiert dazu auf die im Rahmen des regelmäßig stattfindenden Elternfrühstücks geäußerten Wünsche nach Anleitung und Unterstützung und vermittelt Eltern Kompetenzen in den Bereichen gesunde Ernährung, kulturelle Bildung und Lesekompetenz sowie Freizeitgestaltung und Mobilität.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Im Rahmen eines gemeinsamen Koch- und Backtreffs sensibilisieren Ernährungsberater Eltern für gesunde Ernährung und geben praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag. Um die kulturelle Bildung und Lesekompetenz zu verbessern, werden unter anderem Ausflüge, z.B. zu Lesungen, gemacht und durch einen Lesekoffer gemeinsames Lesen von Eltern und Kindern ermöglicht. Durch Ausflüge werden Anregungen zur gemeinsamen Freizeitgestaltung gegeben und gezeigt wie man dabei den öffentlichen Nahverkehr nutzen kann.  Auf diese Weise üben die Eltern das vermittelte Wissen auch praktisch ein und erarbeiten dabei ein Logbuch, in sie ihre gesammelten Erfahrungen festhalten können.

 

Elterntreff - Wir gestalten Schule mit

Feldsieper Grundschule Bochum gemeinsam mit lokalen Sportvereinen und Kultureinrichtungen

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Der bestehende Elterntreff ist eine gute Möglichkeit, Hemmschwellen der Eltern gegenüber der Schule abzubauen. Allerdings können aufgrund sprachlicher Barrieren nicht alle Eltern gleichermaßen an diesem Angebot teilnehmen. Der Elterntreff soll in Zukunft allen Eltern offenstehen, sodass sie ihre Kinder beim Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule unterstützen und sich in die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft einbringen können.

 

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Dolmetscher begleiten im Rahmen des Mikroprojekts die Aktivitäten des Elterntreffs, sodass mehr Eltern daran teilnehmen können. Zugleich sollen die Dolmetscher zweisprachige Eltern in die Lage versetzen als Sprachpaten aktiv zu werden, sodass auch langfristig allen interessierten Eltern die Teilnahme am Elterntreff ermöglicht wird.

Gemeinsam spielen

Wilhelmschule Castrop-Rauxel

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Durch das Projekt soll der Kontakt und Informationsaustausch zwischen Eltern und Schule ebenso intensiviert wie der Austausch zwischen Eltern gefördert und Wissen zum Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule vermittelt werden. Auf diese Weise sollen Eltern als Bildungsbegleiter ihrer Kinder gestärkt werden.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Im Rahmen pädagogisch angeleiteter Spielnachmittage, bei denen Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Jahrgangsstufen gemeinsam mit ihren Eltern spielen, werden auch Informationen über das deutsche Schulsystem vermittelt. Bei den Nachmittagen der 1. Klasse werden auch Eltern aus KITAs, bei denen der 4. Klasse auch Eltern von weiterführenden Schulen einbezogen. In diesem Rahmen werden auch mehrsprachige Informationsbroschüren zur Wilhelmschule sowie zum Übergang entstehen.

 

How to Deutsche Schule

Marokkanischer Kultur- und Sportverein e.V. Mülheim an der Ruhr

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Für viele neu zugewanderte Eltern sind das deutsche Schulsystem und der Schulalltag oft kaum verständlich. Es soll sichergestellt werden, dass diese Eltern die notwendigen Informationen erhalten. Dazu sollen andere Eltern, die einen guten Zugang zu den neu zugewanderten Eltern haben, als Multiplikatoren ausgebildet werden.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Der Marokkanische Kultur- und Sportverein führt mit Referenten des Kommunalen Integrationszentrums, des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Arbeiterwohlfahrt eine siebenteilige Elternreihe durch, die Eltern die wichtigsten Informationen vermittelt und sie zu Multiplikatoren ausbildet. Die ersten beiden Sitzungen widmen sich der Schulpflicht sowie den Akteuren und Aufgaben. In den folgenden vier Sitzungen werden die Bildungseinrichtungen Kindergarten, Grund- und weiterführende Schule sowie Berufskollegs vorgestellt. Den Abschluss bildet ein Tagesseminar für Multiplikatoren und Familienpaten.

 

Lindgrens Post - einfache Kommunikationswege zwischen Schule und Elternhaus

Astrid-Lindgren-Grundschule Mülheim an der Ruhr

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Es bestehen an der Astrid-Lindgren-Grundschule bereits viele Instrumente, die der Kommunikation mit den Eltern dienen, wie z.B. Aushänge, Elternbriefe oder Mitteilungshefte. Um die Kommunikation zu erleichtern, sollen diese in einer Mappe mit dem Titel „Lindgrens Post“ gebündelt werden. Solche Mappen werden auch häufig an weiterführenden Schulen genutzt, sodass sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Eltern an eine Form der Kommunikation  herangeführt werden, die ihnen auf dem weiteren Bildungsweg begegnet.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Im Rahmen des Projekts wird eine Mappe entwickelt, die sowohl das Abheften von Elternbriefen wie auch das Aufbewahren von Urkunden, Attesten und anderen Unterlagen ermöglicht. Darüber hinaus wird die Mappe einen redaktionellen Teil mit allgemeinen Informationen wie z.B. Telefonnummern, Sprechzeiten, einzuhaltende Wege bei Krankmeldungen, Informationen zum Bildungs- und Teilhabepaket, Kontaktadressen im Stadtteil usw. enthalten als auch jahrgangsspezifische Informationen wie z.B. die wiederkehrende Termine oder Adressen der weiterführenden Schulen. . Grundlegende, dauerhaft gültige Elternbriefe werden ins Türkische, Englische und Arabische übersetzt.

 

Mülheimer Schultüte

Bildungsnetzwerk Eppinghofen​, GGS Am Dichterviertel​, Astrid-Lindgren-Grundschule und GGS Zunftmeisterstraße Mülheim an der Ruhr, ev. Familienbildungsstätte Mülheim an der Ruhr

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Das Bildungsangebot für Eltern vor dem Schulbeginn ihrer Kinder fügt sich in die bestehende Kette Mülheimer Angebote zur Elternbildung ein. Ziel ist, die Teilnehmenden in ihrer Rolle als Eltern eines zukünftigen Schulkindes zu stärken. Eltern werden dabei unterstützt, sich ihre Potentiale als Bildungsbegleiter bewusst zu machen und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Darüber hinaus sollen sie schulische und außerschulische Bildungs- und Unterstützungsangebote kennenlernen.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

In den Räumen der beteiligten Schulen findet für interessierte Eltern vor der Einschulung ein achtwöchiges Seminar statt. Bei den Seminaren, die im Tandem von einer pädagogischen Fachkraft und einer mehrsprachigen „Brückenbauerin“ durchgeführt und von der Schul-Sozialpädagogin begleitet werden, geht es sowohl um Informationen zum Bildungssystem und Unterstützung der Kinder im Schulalltag als auch um den gegenseitigen Austausch zwischen den Eltern. Die Eltern lernen dabei intensiv die Schule mit ihren verschiedenen Räumen, Angeboten und Personen kennen, erste Kontakte zu künftigen Ansprechpersonen wie Schulleitung, Lehrer, OGS-Kräfte und Schul-Sozialpädagogen werden geknüpft. Durch diese Transparenz wird das Vertrauen in die Institution Schule gestärkt und der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule gelegt.

 

Nach Stärken greifen - gelingende Partnerschaften zwischen Eltern und Schulen

Grundschule Günnigfeld Bochum, Gertrudisgrundschule Bochum, Grundschule Westenfeld Bochum, Astrid-Lindgren Schule Bochum, Hilda-Heinemann-Schule Bochum, Progressiver Elternverband NRW e.V.

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Einige Familien haben aus unterschiedlichen Gründen Vorbehalte gegenüber der Einrichtung Schule. Durch einen Austausch über Ihre Erfahrungen mit dem Schulalltag sollen Eltern einen veränderten Blick auf die Einrichtung Schule entwickeln. Ziel ist es, auf diese Weise eine Verantwortungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schulen zu entwickeln.

 

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Im Rahmen eines Familienseminars erarbeiten Familien Handlungskompetenzen für eine gelingende Gestaltung der Schullaufbahn ihrer Kinder. Darüber wird ein schulübergreifendes Helfernetzwerk aufgebaut, in dem sich Familien mittels dieser Kompetenzen gegenseitig unterstützen können.

Sportprojekttage Gemeinsam stark - Schule bewegt

Astrid-Lindgren Grundschule Mülheim an der Ruhr gemeinsam mit Sportvereinen vor Ort

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Der Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule stellt für Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern eine Umbruchsphase mit vielen Veränderungen dar, in der stabilisierende Faktoren wichtig sind. Die Familien sollen daher an Sportvereine herangeführt werden, die einen verlässlichen Rahmen außerhalb der Schule bieten und den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten für stärkende Erfolgserlebnisse eröffnen. Außerdem sollen Familien dabei unterstützt werden, sich im Stadtteil zu orientieren und dort Kontakte zu knüpfen. Mit einem solchen Angebot in der Schule soll Eltern zugleich bewusst gemacht werden, dass Schule mehr leistet als die bloße Vermittlung von fächergebundenen Lerninhalten. Auf diese Weise soll das gegenseitige Vertrauen zwischen Eltern und Schule gestärkt werden.

 

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Die Schule führt in Zusammenarbeit mit Sportvereinen vor Ort vier Sportprojekttage in der schuleigenen Turnhalle durch. Die Übungsleiter sowie leistungsstarke Jugendliche aus dem Verein stellen jeweils eine Sportart vor. Die Jugendlichen sollen als „Sports-Lotsen“ mit einer peernahen Ansprache als Vorbilder dienen und so Hemmschwellen auf dem Weg in die Vereine abbauen helfen. Anschließende Besuche in den Vereinen im Sinne eines „Vereinskarussells“ werden ebenfalls organisiert.

Stark für’s Lernen - Eltern als Lerncoaches

Hildegardis-Schule Bochum

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schule sollen bei der Lernorganisation gefördert werden. Dafür sind auch das Lernumfeld zuhause und die Unterstützung durch Eltern von Bedeutung. Damit Eltern ein optimales Lernumfeld zuhause schaffen können, sollen ihre Kompetenzen als Bildungsbegleiter ihrer Kinder gestärkt werden.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Lehrkräfte beziehen Eltern in das bereits bestehende Programm „Stark für’s Lernen“ ein, bei dem Schülerinnen und Schüler in der Erprobungsstufe bei der Lernorganisation und –motivation unterstützt werden. In diesem Rahmen werden unter anderem Beratungs- und Begleitmaterialien für Eltern erarbeitet, die Eltern in der Alltagspraxis zuhause nutzen können.

 

Weiter, aber wie?

CIIC e.V. Mülheim an der Ruhr

Welches Ziel hat das Mikroprojekt?

Im Rahmen des Projekts sollen Eltern aus Syrien, Irak, Afghanistan und weiteren Ländern Informationen über das deutsche Schulsystem vermittelt werden. Außerdem sollen die Eltern bei der Auswahl der weiterführenden Schule unterstützt werden.

Was wird im Rahmen des Projekts genau gemacht?

Im Rahmen des Projekts wird eine ausführliche Broschüre in mehreren Sprachen zu weiterführenden Schulen in Mülheim an der Ruhr erarbeitet. Diese ergänzt die bestehenden Materialien des Landes um ausführlichere Informationen über die Situation vor Ort sowie die Broschüre der Kommune, die lediglich in deutscher Sprache vorliegt. Außerdem wird ein Informationsabend zum Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule durchgeführt. Dabei werden Schulleiter unterschiedlicher Schulformen einbezogen und Dolmetscher eingesetzt.